Jenseits des Diesseits

Aurun

Die Welt Aurun

»Die Mutter ist der Stein. Der Stein ist die Mutter.
Entsprungen aus dem Schoß der Mutter, im Schatten der Berge.
Wir ehren die Glut, das Eisen und den Stein.
Wir sind der Mutter Kinder, der Spross ihrer selbst.
Nicht göttlich, aber ewig!«
Die heiligen Schriften der Zijare. Buch 1, Kapitel 1. Übersetzt ins Kalathanische.

Aurun ist die Mutter Erde und die Erste der Alten. Die Welt ist Aurun und Aurun ist auch die Welt. Einst war nur die Dunkelheit und Finsternis. Einst war Nichts, außer der Schatten und der ewigen Leere. Und einst war dort Aurun. Körperlos, gestaltlos, göttlich aber verborgen und von Dunkelheit und Leere umwoben und von verführerischen und verlogenen Schatten umgarnt. Die Finsternis und all das ewige Nichts waren überall und zugleich nirgendwo. Und Aurun war auch dort, an diesem Ort der Leere, irgendwo im Nirgendwo. Sie war kein Schatten, aber auch kein Licht. Unsichtbar und doch anders als die Schatten der leeren Düsternis. Sie war mehr als Nichts, aber zuwenig um Etwas zu sein. Aber als sie ihrer Selbst aufgab, um das Nichts zu durchbrechen, da wurde die wahre Aurun geboren! Und als sie geboren wurde, da drohte das Nichts sie zu verschlingen!

Über die Schaffung der Welt gibt es bei den verschiedenen Völkern, welche heute auf Auruns Erden wandeln, unzählige Mythen, Legenden und Theorien. Doch nur die wenigsten wissen über die wahre Natur ihrer Welt, unter deren Licht sie leben. Die Natur Auruns - ein göttliches Bewusstsein, welches Gestalt annahm um mehr zu sein, als nur eine göttliche Existenz. Aurun ist das Leben! Doch als Aurun die Gestalt dieser Welt annahm, machte sie sich die Schatten der Leere und den Neid der Finsternis zum Feind. Dies war der Preis für ihr Geschenk, an ihre Kinder. Und kaum ein Sterblicher, der auf Auruns Erden wandelt, weiß um das große Opfer dass sie gegeben hat. Kaum einer weiß um ihre wahre Natur. Und würde man den Sterblichen davon berichten, dass die Welt, auf der sie alle leben, die wiedergeborene Gestalt der alten, allmächtigen Göttin Aurun ist, würde man vermutlich der Häresie angeklagt! 

Die Welt Aurun ist ein Ort zweier Welten. Die Welt der Sterblichen und die Anderswelt der Unsterblichen – Sitz der Götter und Heimat der Alten, Land des Nebels und der Magie. Die Nebellande. Vergänglichkeit und Ewigkeit werden diese beiden Welten genannt. Während die Sterblichen unter den Himmeln der Kontinente Vaijrë¹ und Aradëja² wandeln, gehört die Welt des Nebels gänzlich der Ewigkeit an. Nėhliaë³, die Welt der Unsterblichen – sagenumwoben und zeitlos.

Doch die Welt der Sterblichen - die Welt der Vergänglichkeit - wird durch das mächtige Weltengebirge, welches die Welt völlig umspannt, getrennt. Im Südlichen Schatten dieses Gebirges leben die Unverdorbenen, die Berührten und die Menschen! Doch im Norden...Da lebt das Gezücht des Splitters, der die Welt verdarb. Die Verdorbenen, die Schattengezeichneten und die Finsteren.

Zwei Welten im Gleichgewicht, denn die eine könnte ohne die andere nicht sein. Die Welt der Sterblichen ist gezeichnet von hohen Bergen, tiefen Tälern, immergrünen Wäldern und sengend heißen Wüsten, umgeben vom ewigen Ozean, welcher diese beiden Welten miteinander im Einklang hält, gleich einem magischen Band. Untrennbar eins und doch zwei Welten, wie sie verschiedener nicht sein könnten. Die Berge sind Auruns Gebeine, die See ihre Tränen und die Glut der Berge ihr Blut. Dies ist ihr Leib. Doch die zweite Welt, die Welt der Anderen, liegt in immerwährendem Nebel - Dies ist Auruns Seele. Der Schleier der Unsterblichkeit verbirgt diese Welt vor den Augen der Sterblichen und keinem Vergänglichen ist es je gelungen, diese Barriere aus Nebel und Schwaden zu überwinden, ohne sich in den ewigen Nebeln zu verlieren. Einzig den Seelen der Verstorbenen offenbart sich der Pfad in die Lande des Nebels, auf ihrem Weg ins Reich der Toten.

¹ der große Kontinent, südlich des Weltengebirges
² die Schattenlande, nördlich des Weltengebirges
³ die Nebellande, die Anderswelt

Auruns einzigartige Regionen