

»Denkt nicht, ich
sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht
gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das
Schwert.«
Die Bibel, Neues Testament, Erstes
Evangelium - Matthäus 10,34
Die Schwertschneise ist der Name eines trennenden Randmeeres, das zwischen zwei großen Kontinenten liegt und im Norden durch das gewaltige Weltengebirge begrenzt wird. Im Osten und Westen wird es von zwei großen Landmassen förmlich eingeschlossen, während es im Süden in den offenen Ozean der Nebelmeere übergeht. Besonders beeindruckend sind die mächtigen Wasserfälle, welche von den gewaltigen, schroffen und zerklüfteten Klippen des Weltengebirge in die Schwertschneise stürzen. Diese Klippen werden auch Trümmerklippen genannt. Das Meer selbst zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Ruhe aus. Es ist weit weniger wild als viele andere Weltmeere, was es mehr zu einer natürlichen Wasserstraße macht.
Die Schwertschneise, sowie die Trümmerklippen, haben ein ganz besonderes und empfindliches Gleichgewicht zueinander. Während die Südnord-Strömungen der Nebelmeere stetig salzhaltiges Wasser in die Schwertschneise einspeisen, versorgen die Wasserfälle der Trümmerklippen das Meer kontinuierlich mit dem Gletscherwasser des Weltengebirges. Denn die Wasserfälle bestehen zu großen Teilen aus Schmelzwasser der Eisgletscher, und Gebirgsquellen. Die Felsen dieser Region sind sehr mineralhaltig und liefern neben Kalium, Magnesium und verschiedenen Sulfaten und Nitraten, auch Bergsalze und Spurenelemente, die über die Wasserfälle allesamt in das Meer der Schwertschneise gelangen und so, über die Jahrhunderte, ein mineralhaltiges, und sauerstoffreiches Brackwasser geschaffen haben. In den tieferen Stellen ist der Salzgehalt des Meeres allerdings wieder deutlich höher. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass hier sehr viele Krebse, Krabben und Muscheln angesiedelt sind. Aber auch Kugelfische, Aale, Flundern, Pfeilhechte und kleine Riffhaie. Eine ganz besondere Fischart, die in dieser Region lebt, sind die fliegenden Fische, welche in der Laichzeit stetig versuchen an den Wasserfällen empor zu schwimmen. Sie legen ihren Laich in die höher gelegenen Algen, Moose und Bimsstein ab, und wandern im Herbst in die wärmeren Gefilde der Schwertschneise.
Denn im Winter verändert sich das Bild der nördlichen Regionen dramatisch: Die kalten Temperaturen lassen das Meer im Norden einfrieren, vor allem am Fuße des Weltengebirges entsteht eine dicke Eisschicht. In dieser Zeit verwandelt sich der Norden der Schwertschneise in ein riesiges, gefährliches Eisland. Die meisten hier angesiedelten Fisch und Krebsarten, haben sich an diese Temperaturen angepasst. Doch es gibt auch wandernde Arten, welche im Winter in die wärmeren Gewässer ziehen, um im Frühling zum laichen zurückzukehren.
Die Wasserfälle, welche sonst kontinuierlich die Klippen hinab stürzen, erstarren ebenso zu Eis und verleihen den Trümmerklippen ein schauriges und zugleich monumental, zeitloses Antlitz. Als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Es herrscht eine unglaublich trügerische Stille in dieser Zeit des Frostes und Eises. Ganz anders, als das ständige Tosen der Wasserfälle und das Branden der Wellen. Eine unheimliche Ruhe legt sich im Winter über diese Region, die nur von dem steten Knacken des Eises und dem Singen der Eiszapfen durchbrochen wird, wenn die eisigen Winde sie zum Zittern bringen.

Während dieses eisigen Winters breiten sich die Eismassen über das Meer aus und läuten die Zeit der Eisplünderungen ein. Die nordischen, heidnischen Völker, die sonst mit ihren Schiffen die Küsten überfallen, nutzen jetzt die gewaltigen Eismassen, um sich über das eingefrorene Meer in die zivilisierten Länder vorzuwagen. Diese heidnischen Stämme, die in dieser Zeit als „Eisplünderer“ bekannt sind, ziehen mit Schlittenhunden und kräftigen Kaltblütler Pferden über die dicken Eisschichten und führen gezielte Nadelstichangriffe auf die Küsten und inneren Grenzländer durch. Diese Eisplünderungen verlaufen oftmals blutig und brutal doch sind sie nicht nur ein kulturelles Ritual dieser Heiden sondern auch ihre Art die harten Wintermonate zu überstehen, indem sie von den reichen Küstenregionen der Zivilisation rauben. Ihre, von felsigen und kargen Fjorden geprägten, Küsten bieten nicht genügend fruchtbares Ackerland und so sind gerade die Stämme der Küstenregionen förmlich darauf angewiesen, auf diese Weise ums Überleben zu kämpfen. In diesen eisigen Monaten ist die Schwertschneise demnach nicht nur ein geografisches, sondern auch ein strategisches Element, das die Machtverhältnisse zwischen den Kulturen beeinflusst.
Die beiden Küstenlinien des Ostens und des Westens, werden die Schneiden genannt. Die westliche Schneide ist eine raue, zerklüftete Küstenregion, die von schroffen Klippen und rauen Felsen geprägt ist. Besonders im Norden der westlichen Schneide unterbrechen nur spärlich gestreute Strände die schroffen, hohen Felswände, wobei sich die Küste im Süden zunehmend abflacht und in Inseln aufspaltet. Die östliche Schneide hingegen bietet ein gegensätzliches Bild. Die Küstenlinie ist deutlich wilder und weitläufiger, als die fast geradlinige westliche Schneide. Der Norden der östlichen Schneide ist gekennzeichnet von felsigen Inseln und klaffenden Fjorden, doch je weiter die Küste in den Süden verläuft, desto weniger zerklüftet wird sie. Das Land flacht mehr und mehr ab und die Küstenlinie wird von weitläufigen Landzungen, tiefen Buchten und flachen Sandstränden geprägt.
Die wissenschaftliche Erklärung zur Entstehung der Schwertschneise basiert auf einem gewaltigen geologischen Ereignis, das vor hunderten von Jahren stattgefunden hat. Ein massives Erdbeben, in Verbindung mit einem einschneidenden Ereignis – möglicherweise dem Einschlag eines Kometen oder Meteoriten – zerstörte den einst vereinten Kontinenten und spaltete diesen in Folge dessen in zwei Teile. Als die Bruchlinie schließlich das Weltengebirge erreichte, wurde ein erheblicher Teil der Gebirgskette beschädigt. Da das Gestein in dieser Region überwiegend aus Basalt und Schiefer bestand, löste dies förmlich eine Kettenreaktion aus und die gebrochenen Berge stürzten in sich zusammen. Dieser Gebirgszug bildete zudem einen natürlichen Staudamm für einen gewaltigen Gletschersee, welcher sich über die Jahrtausende hinter dem Gebirge angestaut hatte. Durch den Weltenbruch strömten die unaufhaltsamen Wassermassen über die Trümmerklippen in die Bruchlinie und schufen so das neu entstandene Meer - die Schwertschneise. Durch die Spaltung des Kontinentes und infolgedessen der Flutung durch die Fälle der Trümmerklippen wurde der Meeresspiegel des südlichen Meeres erheblich angehoben und weite Landstriche überflutet. Noch heute kann man an den Küstenregionen alte Ruinen auf dem Meeresgrund finden, wenn man wagemutig genug ist, in die Tiefe zu tauchen.
Nachdem das ursprüngliche Abfließen des Stausees versiegte, versorgten Gletscherschmelzen und Gebirgsquellen, die einst den See geschaffen hatten, nun das Meer der Schwertschneise. Dadurch bleiben die gewaltigen Wasserfälle, die die Schwertschneise prägen, auch heute noch bestehen, wenn auch nicht mehr in dem verheerenden Ausmaß, wie einst. Und aus der Katastrophe wurde ein immerwährender Kreislauf. Die Trümmerklippen wurden zu einem spektakulären Naturschauspiel von gewaltigen Wasserfällen, die nun seit hunderten von Jahren niemals versiegen zu scheinen. Aus Chaos und Zerstörung wurde neuer Lebensraum und die Menschen des großen, untergegangenen Reiches Kalath, wandelten sich und läuteten ein neues Zeitalter ein.
Natürlich weiß heute niemand mehr, welche Katastrophe das Land zu jenen Tagen heimsuchte. Es gibt so gut wie keine Aufzeichnungen darüber und über die Jahrhunderte ist die Wahrheit in Vergessenheit geraten. Und wie es den Menschen zu Eigen ist, haben sich seither allerlei Ränke und Sagen ,um die Entstehung der Schwertschneise und dem Fall des großen Reiches Kalath, gebildet. In manchen Kulturen glauben die Menschen, dass der Hochmut der Menschen eine Strafe der Götter war, welche das Land entzweiten und damit auch die Menschen. Andere wiederum glauben, dass einst ein gewaltiger Kampf an diesem Ort ausgetragen wurde. Ein Kampf zwischen den Göttern und den Drachen. Manche glauben dass ein Drache vom Himmel stürzte und eine gewaltige Kluft in das Land gerissen hatte, Die weitläufigste Legende besagt, dass der gewaltige Schwerthieb eines Gottes das Land in Stücke gerissen hatte. Und dies ist auch der der Name den sie diesem versunkenen Land gegeben haben - die Schwertschneise!
